Stoa

Stoa
Stoa 〈f.; -; unz.〉 auf der Lehre Zenos beruhende grch. Philosophenschule um 300 v. Chr., die ein Leben im Einklang mit der Natur u. der göttl. Macht der „Weltseele“ od. „Weltvernunft“ erstrebte [<grch. stoa „Säulenhalle, Säulengang, Halle, Galerie“, hier gemeint: die stoa poikile „die bunte Halle“ (wegen der Wandgemälde Polygnots), wo sich die Anhänger von Zeno trafen]

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Stoa ['st…, auch: 'ʃt…], die; -, Stoen [griech. Stoá, nach der stoà poiki̓lē, einer mit Bildern geschmückten Säulenhalle im antiken Athen, in der sich die von Zenon von Kition (etwa 335–263 v. Chr.) gegründete Schule versammelte]:
<o. Pl.> griechische Philosophenschule von 300 v. Chr. bis 250 n. Chr., deren oberste Maxime der Ethik darin bestand, in Übereinstimmung mit sich selbst u. mit der Natur zu leben u. Neigungen u. Affekte als der Einsicht hinderlich zu bekämpfen.

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Stoa
 
[griechisch] die, -/ 'Sto|en, griechisch Stoa,  
 1) Kunstgeschichte: in der griechischen Architektur Bezeichnung für eine lange, schmale Säulenhalle. Die Form lässt sich bereits in mykenischer Zeit belegen, gewann aber erst in der griechischen Kunst seit der archaischen Zeit die eigenständige Gestalt einer frei stehenden Halle mit geschlossenen Stirn- und Rückseiten. In Heiligtümern (Samos, Didyma, Heraion von Argos, Delphi, Olympia) diente sie zur Aufbewahrung und Ausstellung von Weihgeschenken, an der Agora als Wandelhalle und städtisches Kommunikationszentrum (Poikile). In hellenistischer Zeit dienten solche meist mehrschiffigen und zweigeschossigen Hallen der Gestaltung von geschlossenen rechteckigen Platzanlagen (z. B. Milet, Priene). Hinter dem Gang enthielten sie häufig Läden und Speiseräume (z. B. Korinth; Athen, Attalosstoa) und hatten mit ihren Kellern und rückwärtigen Räumen zum Teil auch die Funktion von Hangstützen (z. B. Assos, Pergamon). Der griechischen Stoa entspricht der röm. Portikus.
 
 2) ohne Plural, Philosophie: die nach ihrem Versammlungsort, der Stoa Poikile, benannte Philosophenschule, die um 300 v. Chr. von Zenon von Kition in Athen gegründet wurde. Zenon hat das Lehrsystem in den Grundzügen abgeschlossen; Kleanthes und andere seiner Schüler (Ariston, Herillus, Persäus) haben nur wenig hinzugefügt. Die systematische Begründung und Durchbildung gab ihm Chrysippos im 3. Jahrhundert v. Chr., der als zweiter Begründer der Stoa gilt (ältere Stoa). Eine neue Blüte erlebte die Schule durch Panaitios von Rhodos und Poseidonios im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. (mittlere Stoa). Durch Cicero u. a. griff ihr Einfluss auf die röm. Welt über. Im Rom der Spätzeit gehörte das stoische Denken in weiten Kreisen in die Religion der Gebildeten; ihre bedeutendsten Vertreter waren Seneca der Jüngere, Epiktet und Kaiser Mark Aurel (jüngere Stoa, Stoa der Kaiserzeit).
 
Das systematische Denken der Stoiker (Stoizismus) gliederte die Philosophie in Logik, Physik und Ethik; meist galt die Ethik als Mittelpunkt. Zur Logik rechnete man Grammatik, Rhetorik und Dialektik. In der Logik ergänzten sie die aristotelische Klassenlogik durch die Aussagenlogik. Sie erkannten ferner, dass die Bedeutung eines Ausdrucks nicht die wirkliche Sache, sondern ein davon verschiedenes ideales Etwas ist (lekton). Das Etwas (ti) überhaupt teilten sie in gegenständlich Seiendes (on) und nicht Seiendes (me on), d. h. nicht gegenständlich Seiendes. Solches nicht Seiendes Etwas ist außer dem idealen Etwas (lekton) etwa die Zeit. Seiendes im eigentlichen Sinn ist nur das Körperliche. Der Kosmos ist Körper; er ist von der Vernunft (logos), von Chrysippos u. a. als Pneuma gedacht, durchdrungen und bestimmt. Ihn beherrscht ein unverbrüchlicher Determinismus, das Schicksal (heimarmene, lateinisch fatum), und zugleich eine durchgehende Teleologie. Mit dem Determinismus konnten die Stoiker die Lehre von der Freiheit des Menschen nur deshalb vereinigen, weil sie unter dieser nichts anderes verstanden als das Bestimmtwerden allein durch innere und die Unabhängigkeit von äußeren Ursachen. In der Einzeldurchführung der Physik nahmen sie viele Gedanken Heraklits auf.
 
Auf dieser Grundlage erhebt sich die bedeutsame Ethik der Stoa, die immer in schroffem Gegensatz zur Lustlehre der Epikureer stand. Lust ist Affekt, eine »unvernünftige Seelenregung«, die den Menschen unfrei macht. Wahrhafte Glückseligkeit sei das Leben im Einklang mit der Allnatur, der Gehorsam gegen das göttliche Gesetz und das Pflichtgebot der Vernunft. Diesem Ziel gegenüber seien die Güter des Lebens gleichgültig (Adiaphora). Die Form dieser Glückseligkeit ist die Tugend. Als Grundtugenden gelten Gerechtigkeit, Tapferkeit, Beherrschung und Menschlichkeit (Humanitätsideal). Die Tugenden sind untrennbar vereint im Ideal des »Weisen«, des wahrhaft »Freien« von Glück und Unglück, Leiden und äußerem Geschick (Apathie). Die Staats- und Rechtslehre der Stoa besagt, alles echte Gesetz stamme aus der Allvernunft, es sei Naturrecht im Sinne der Allnatur. Der tatsächliche Staat mit seinem vom Menschen geschaffenen Recht ist danach nicht der wahre Staat. Dieser umfasst die Welt; in ihm herrscht die Gleichstellung aller Menschen unter dem göttlichen Gesetz. - Die Religion der Stoa war pantheistische Naturverehrung; trotzdem hat das Christentum in vielen Punkten Gedanken der Stoa aufgenommen. Seit der Renaissance fand die stoische Ethik, vorwiegend zur moralischen Unterweisung, Verbreitung. Im 20. Jahrhundert wurden v. a. die Beiträge der Stoa zu Logik, Grammatik und Sprachphilosophie gewürdigt. So wurde in der stoischen Logik ein antiker Vorläufer der modernen Aussagenlogik erkannt. Die bis in die neueste Zeit gültige stoische Grammatik findet ihre linguistisch-sprachphilosophische Ergänzung in den (heute zum Teil neu entdeckten) Unterscheidungen von Wortbedeutung, Wortgestalt und gemeinter außersprachlicher Realität.
 
Ausgaben: Stoicorum veterum fragmenta, herausgegeben von H. von Arnim, 4 Bände (1903-24, Nachdruck 1978-79); Die Fragmente zur Dialektik der Stoiker, übersetzt von K. Hülser, 4 Bände (1987-88).
 
 
S. Sambursky: Physics of the Stoics (London 1959, Nachdr. Westport, Conn., 1973);
 M. Pohlenz: Die S. Gesch. einer geistigen Bewegung, 2 Bde. (6-71990-92);
 A. Schubert: Unterss. zur stoischen Bedeutungslehre (1994);
 M. Hossenfelder: S., Epikureismus u. Skepsis (21995).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Platoniker, Stoiker, Skeptiker und Epikureer: Griechische Denk- und Lebensformen in der römischen Literatur
 
Stoa und Skeptizismus: Gelassenheit und Urteilsenthaltung
 

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Stoa ['st..., auch: 'ʃt...], die; -, Stoen [griech. Stoá, nach der stoà poikílē, einer mit Bildern geschmückten Säulenhalle im antiken Athen, in der sich die von Zenon von Kition (etwa 335-263 v. Chr.) gegründete Schule versammelte]: 1. <o. Pl.> griechische Philosophenschule von 300 v. Chr. bis 250 n. Chr., deren oberste Maxime der Ethik darin bestand, in Übereinstimmung mit sich selbst u. mit der Natur zu leben u. Neigungen u. Affekte als der Einsicht hinderlich zu bekämpfen. 2. (Kunstwiss.) altgriechische Säulenhalle.

Universal-Lexikon. 2012.


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